Glossar Alternativmedizin

Begriffe aus der Osteopathie

In der Osteopathie werden Körperbereiche mit Begriffen beschrieben, die sich auf unterschiedliche anatomische Strukturen beziehen. Parietal steht für Körperwand und Bewegungsapparat, viszeral für die inneren Organe. Kraniosakral verbindet die Bezüge zu Schädel und Kreuzbein. Die Faszie bezeichnet anatomisch eine Schicht aus Bindegewebe und wird im osteopathischen Konzept ebenfalls als Begriff verwendet.

Parietal

Parietal bedeutet auf die Körperwand bezogen und umfasst in der osteopathischen Fachsprache vor allem den Bewegungsapparat. Dazu zählen Knochen, Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bänder sowie die umgebenden Gewebe. Der Begriff benennt damit einen anatomischen Schwerpunkt, nicht eine einzelne Technik oder einen bestimmten Körperteil. Im osteopathischen Konzept wird der parietale Bereich als einer von mehreren Bereichen betrachtet, die bei der Beschreibung des Körpers unterschieden werden. Viszeral bezeichnet dagegen Bezüge zu den inneren Organen; kraniosakral bezieht sich auf Schädel und Kreuzbein. Parietal ist somit die passende Bezeichnung, wenn von Körperwand und Strukturen des Bewegungsapparats die Rede ist.

Viszeral

Viszeral bedeutet die Eingeweide beziehungsweise die inneren Organe betreffend. Der Ausdruck kann sich auf Organe im Brust-, Bauch- oder Beckenraum beziehen und schließt in anatomischen Beschreibungen auch deren umgebende Strukturen ein. Im osteopathischen Konzept kennzeichnet viszeral einen Betrachtungsbereich, in dem die Organe und ihre räumlichen Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Der Begriff beschreibt damit den Bezug des Themas, nicht eine eigenständige Körperstruktur. Parietal grenzt sich davon ab: Dieser Ausdruck betrifft die Körperwand und den Bewegungsapparat, etwa Knochen, Gelenke und Muskeln. Die Unterscheidung ordnet die Begriffe nach ihrem anatomischen Bezug: inneres Organ beim viszeralen Bereich, Körperwand und Bewegungssystem beim parietalen.

Kraniosakral

Kraniosakral setzt sich aus den Bezeichnungen für Schädel und Kreuzbein zusammen: Cranium bedeutet Schädel, Sacrum Kreuzbein. Der Begriff benennt folglich einen Bezug zwischen diesen beiden anatomischen Regionen. In der Osteopathie wird „kraniosakral“ als Beschreibung eines eigenen Betrachtungsbereichs verwendet, der sich auf Schädel und Kreuzbein bezieht. Er ist damit von parietal und viszeral abzugrenzen. Parietal verweist auf Körperwand und Bewegungsapparat, viszeral auf die inneren Organe. Kraniosakral bezeichnet weder den gesamten Bewegungsapparat noch die Organe, sondern ordnet die Beschreibung den genannten Bereichen an den beiden Enden der Wirbelsäule zu. Die Wortbestandteile geben den anatomischen Bezug direkt wieder.

Faszie

Anatomisch ist eine Faszie eine Schicht aus Bindegewebe, die Muskeln und Organe umhüllt, voneinander abgrenzt oder miteinander verbindet. Faszien kommen an verschiedenen Stellen des Körpers vor und bilden kein einzelnes Organ. Ein Muskel ist dagegen eine klar benennbare Struktur, die sich zusammenziehen kann; die Faszie liegt als umgebendes Bindegewebe an oder zwischen solchen Strukturen. Im osteopathischen Konzept wird der Begriff Faszie häufig für dieses zusammenhängende Gewebe und seine räumlichen Verbindungen verwendet. Die Bezeichnung bezieht sich daher nicht auf den Muskel selbst, sondern auf die ihn umgebende beziehungsweise mit ihm verbundene Gewebeschicht. So bleibt die anatomische Hülle vom einzelnen Muskel unterscheidbar.

Begriffe aus der Homöopathie

Die Homöopathie verwendet eigene Begriffe für ihre Grundannahmen und für die Verarbeitung von Ausgangsstoffen. Dazu zählen das Ähnlichkeitsprinzip und die verschiedenen Potenzskalen. Auch Bezeichnungen für Darreichungsformen und historische Prüfverfahren gehören zum Fachwortschatz. Die folgenden Definitionen ordnen diese Begriffe ein und erklären, wie sie im homöopathischen Sprachgebrauch verwendet werden.

Ähnlichkeitsprinzip

Das Ähnlichkeitsprinzip ist ein homöopathisches Grundkonzept: Eine Substanz wird nach dieser Vorstellung ausgewählt, weil sie bei gesunden Menschen Erscheinungen hervorrufen soll, die den beschriebenen Beschwerden ähneln. Die lateinische Formel lautet „Similia similibus curentur“ und wird mit „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“ übersetzt. Sie fasst das Prinzip zusammen, wie es in der Homöopathie formuliert wird. Gemeint ist damit mehr als eine allgemeine Ähnlichkeitsannahme, etwa eine Ähnlichkeit von Aussehen oder Herkunft. Entscheidend ist innerhalb des Konzepts die angenommene Ähnlichkeit zwischen den durch eine Substanz beschriebenen Erscheinungen und dem Beschwerdebild.

Potenz

Potenz bezeichnet in der Homöopathie eine Verdünnungs- und Verarbeitungsskala, auf der ein Ausgangsstoff in festgelegten Stufen weiterverarbeitet wird. Die Buchstaben geben unterschiedliche Skalierungsweisen an: D steht für Dezimal-, C für Centesimal- und LM für die sogenannte fünfzigtausender Skala. Die Zahlen nach dem Buchstaben bezeichnen die Zahl der Verarbeitungsschritte.

Urtinktur

Eine Urtinktur ist ein flüssiger Ausgangsauszug, der aus einem Ausgangsstoff hergestellt wird. Bei pflanzlichen Ausgangsstoffen werden dafür je nach Herstellungsverfahren etwa frische oder getrocknete Pflanzenteile mit einem Lösungsmittel ausgezogen; häufig kommen Wasser und Ethanol zum Einsatz. Die genaue Herstellung hängt vom verwendeten Stoff und den geltenden Herstellungsvorschriften ab. In der homöopathischen Herstellungskonvention kann die Urtinktur als Ausgangsmaterial für weitere Verarbeitungsschritte dienen. Eine daraus abgeleitete Potenz ist nicht die Urtinktur selbst: Sie entsteht erst durch schrittweises Verdünnen und Verschütteln beziehungsweise Verreiben des Ausgangsmaterials.

Globuli

Globuli sind kleine, meist aus Saccharose bestehende Zuckerkügelchen. Das Wort ist eine Verkleinerungsform des lateinischen „globus“ und bedeutet sinngemäß „Kügelchen“. Im homöopathischen Sprachgebrauch bezeichnet Globuli die feste Darreichungsform, auf die eine flüssige Zubereitung aufgebracht werden kann. Der Begriff benennt damit die Kügelchen, nicht den darin verwendeten Ausgangsstoff oder eine Verdünnungsstufe. Von einer Urtinktur unterscheiden sie sich bereits in der Beschaffenheit: Die Urtinktur ist ein flüssiger Ausgangsauszug, Globuli sind feste Zuckerträger. Auch wenn eine homöopathische Zubereitung auf Kügelchen aufgebracht wurde, bleibt die Bezeichnung „Globuli“ auf die Kügelchen bezogen.

Arzneimittelprüfung

Arzneimittelprüfung war Hahnemanns Bezeichnung für das Prüfen einer Substanz an gesunden Personen. In der homöopathischen Tradition wurden dabei die von den Teilnehmenden berichteten Empfindungen und Veränderungen festgehalten und der geprüften Substanz zugeordnet. Der historische Ausdruck beschreibt somit ein bestimmtes Verfahren innerhalb der Entstehung homöopathischer Arzneimittelbilder. Davon zu unterscheiden ist eine klinische Studie, die eine Behandlung bei Patientinnen und Patienten untersucht und beispielsweise verschiedene Behandlungsgruppen vergleicht. Eine Arzneimittelprüfung im historischen homöopathischen Sinn ist daher nicht einfach eine andere Bezeichnung für eine klinische Studie zur Bewertung einer Behandlung.

Begriffe rund um Quantenmedizin

Bezeichnungen rund um Quantenmedizin stammen aus unterschiedlichen Zusammenhängen und sind nicht gleichbedeutend. Bioresonanz, Informationsmedizin und Energiemedizin werden von Unterstützern als Labels für bestimmte Erklärungsmodelle verwendet. Quantenbiologie bezeichnet dagegen ein Forschungsfeld innerhalb der Biophysik. Die Unterschiede betreffen vor allem den fachlichen Status und die Bedeutung der Begriffe.

Bioresonanz

Bioresonanz ist eine Bezeichnung, die Unterstützer für Ansätze verwenden, in denen biologische Vorgänge mit angenommenen Schwingungen oder Frequenzmustern verknüpft werden. Was genau unter dem Begriff verstanden wird, ist uneinheitlich: Beschreibungen können sich auf Geräte, Messsignale oder bestimmte Deutungen körperlicher Prozesse beziehen. Eine verbindliche, allgemein anerkannte Bedeutung ergibt sich daraus nicht. Bioresonanz besitzt keine etablierte wissenschaftliche Definition und bezeichnet kein anerkanntes medizinisches Fachgebiet. Der Ausdruck ist daher als verwendetes Label zu verstehen, nicht als Name einer klar abgegrenzten Disziplin. Seine konkrete Bedeutung hängt davon ab, in welchem Zusammenhang und von wem er gebraucht wird.

Informationsmedizin

Informationsmedizin ist ein Label, das Unterstützer für Erklärungsmodelle verwenden, in denen Information eine zentrale Rolle bei biologischen Vorgängen erhält. Je nach Verwendung kann Information dabei als ordnendes Prinzip, als Signal oder als Grundlage für die Beschreibung von Prozessen im Körper gemeint sein. Der Begriff hat jedoch keine einheitlich festgelegte Bedeutung, die für unterschiedliche Ansätze gleichermaßen gilt. Eine etablierte wissenschaftliche Definition liegt nicht vor; außerdem bezeichnet Informationsmedizin kein anerkanntes medizinisches Fachgebiet. Die Bezeichnung ist deshalb von klar umrissenen Forschungsdisziplinen zu unterscheiden. Welche Inhalte gemeint sind, lässt sich nur aus dem jeweiligen Zusammenhang erschließen, in dem das Label verwendet wird.

Energiemedizin

Energiemedizin ist eine Sammelbezeichnung, die Unterstützer für unterschiedliche Ansätze verwenden, deren Erklärungen auf einen Energiebegriff Bezug nehmen. Was dabei als Energie bezeichnet wird und welche Vorgänge damit beschrieben werden sollen, ist nicht einheitlich festgelegt. Der Ausdruck dient somit als übergreifendes Label, nicht als präzise Bezeichnung für ein einzelnes, standardisiertes Verfahren. Eine etablierte wissenschaftliche Definition der Energiemedizin gibt es nicht. Auch ist sie kein anerkanntes medizinisches Fachgebiet. Die Bedeutung kann sich je nach Konzept unterscheiden; daher lässt sich aus dem Wort allein nicht ableiten, welche konkreten Vorstellungen oder Begriffe zugrunde liegen.

Quantenbiologie

Quantenbiologie ist ein Forschungsfeld der Biophysik, das untersucht, welche Rolle quantenphysikalische Vorgänge in biologischen Systemen spielen. Dabei geht es beispielsweise um Energieübertragung bei der Photosynthese oder um quantenmechanisches Tunneln bei Enzymreaktionen. Solche Fragen verbinden biologische Prozesse mit Konzepten der Quantenmechanik und werden mit wissenschaftlichen Methoden untersucht. Der Begriff unterscheidet sich damit von Bioresonanz, Informationsmedizin und Energiemedizin: Diese drei Bezeichnungen werden von Unterstützern als Labels verwendet und sind keine anerkannten medizinischen Fachgebiete. Quantenbiologie benennt hingegen ein Forschungsfeld, dessen Gegenstand biologische Systeme und darin untersuchte quantenphysikalische Fragestellungen sind.

Begriffe der Studienbewertung

Die Bewertung medizinischer Aussagen stützt sich auf unterschiedliche Arten von Informationen und auf die Frage, wie diese gewonnen wurden. Die folgenden Begriffe der Alternativmedizin helfen, Studienbeschreibungen verständlicher einzuordnen. Sie bezeichnen unter anderem Verfahren zum Vergleichen von Behandlungen und zum Zusammenfassen von Forschungsergebnissen. Ein Glossar Alternativmedizin kann die Fachwörter erklären, ersetzt aber nicht die Prüfung der jeweiligen Studiendetails.

Evidenz

Evidenz bezeichnet Informationen, die zeigen, ob eine Aussage durch Beobachtungen und Forschung gestützt wird. Dazu können Ergebnisse einzelner Studien, aber auch übereinstimmende Befunde aus mehreren Untersuchungen gehören. Wie aussagekräftig die Evidenz ist, hängt unter anderem davon ab, wie sorgfältig eine Untersuchung durchgeführt wurde und ob ihre Ergebnisse zur konkreten Frage passen.

Eine einzelne Beobachtung ist noch kein verlässlicher Nachweis: Eine Person kann sich nach einer Behandlung besser fühlen, ohne dass damit die Ursache der Veränderung geklärt ist. Beispiel: Soll geprüft werden, ob eine Behandlung Schmerzen lindert, vergleicht eine Studie die vorher festgelegten Schmerzangaben der Behandelten mit einer passenden Vergleichsgruppe.

Randomisierte kontrollierte Studie

Eine randomisierte kontrollierte Studie vergleicht Behandlungen, indem Teilnehmende per Zufall verschiedenen Gruppen zugeteilt werden. Typische Bestandteile sind:

  • Zuteilung: Ein Zufallsverfahren weist Teilnehmende einer Gruppe zu; dadurch entscheiden weder persönliche Vorlieben noch die behandelnde Person allein über die Gruppenzugehörigkeit.
  • Vergleichsgruppen: Eine Gruppe erhält die untersuchte Behandlung, während eine andere eine festgelegte Vergleichsbehandlung bekommt, etwa die übliche Versorgung.
  • Messgrößen: Das Forschungsteam legt vor Beginn fest, welche Ergebnisse es erhebt, beispielsweise Schmerzangaben nach einem bestimmten Zeitraum.
  • Auswertung: Die Ergebnisse der Gruppen werden nach denselben Regeln verglichen, damit Unterschiede nicht allein durch verschiedene Messweisen entstehen.

Beispiel: Bei der Prüfung einer Behandlung gegen Rückenschmerzen wird eine Gruppe der neuen Behandlung und eine zweite der üblichen Versorgung zugelost; anschließend werden ihre Schmerzangaben verglichen.

Placebo

Ein Placebo ist eine Vergleichsbehandlung, die den spezifischen Bestandteil der untersuchten Behandlung nicht enthält. Es kann beispielsweise eine äußerlich ähnliche Tablette ohne den geprüften Wirkstoff sein. Ein Placebo ist nicht dasselbe wie die Erwartung einer Person: Das Placebo bezeichnet die Behandlung, während Erwartungen und die Situation einer Behandlungserfahrung beeinflussen können, wie jemand Beschwerden wahrnimmt oder angibt.

In einer Studie dient ein Placebo als Vergleich, damit Ergebnisse der untersuchten Behandlung gegenübergestellt werden können. Beispiel: Eine Gruppe erhält eine Tablette mit dem geprüften Wirkstoff, eine andere eine äußerlich gleiche Tablette ohne diesen Wirkstoff; anschließend werden vorab festgelegte Beschwerden verglichen.

Verblindung

Verblindung bedeutet, dass bestimmte Beteiligte einer Studie nicht wissen, welcher Gruppe eine Person zugeteilt wurde. So können Erwartungen die Behandlung oder die Bewertung von Ergebnissen weniger beeinflussen. Die Bezeichnungen einfach und doppelt beschreiben, welche Beteiligten die Zuteilung kennen.

Wer die Gruppenzuteilung kennt
Vorgehen Teilnehmende Behandelnde oder Forschende
Offene Studie Kennen die Zuteilung Kennen die Zuteilung
Einfach verblindet Kennen die Zuteilung nicht Kennen sie in der üblichen Beschreibung
Doppelt verblindet Kennen die Zuteilung nicht Behandelnde oder beteiligte Forschende kennen sie ebenfalls nicht

Die genaue Verwendung der Begriffe kann je nach Studienprotokoll variieren; deshalb sollte erkennbar sein, wer verblindet war. Beispiel: Bei einem Vergleich zweier äußerlich gleicher Tabletten erfahren weder die Teilnehmenden noch das behandelnde Team während der Untersuchung, wer welche erhält.

Systematische Übersichtsarbeit

Eine systematische Übersichtsarbeit ist eine strukturierte Zusammenfassung aller passenden Studien zu einer genau formulierten Frage. Typische Arbeitsschritte sind:

  • Fragestellung: Das Forschungsteam legt fest, welche Behandlung, Vergleichsgruppe und Ergebnisse untersucht werden sollen.
  • Suche: Es sucht nach passenden Studien in festgelegten Quellen und dokumentiert Suchbegriffe sowie den Zeitraum der Recherche.
  • Auswahl: Vorab festgelegte Kriterien bestimmen, welche gefundenen Studien zur Frage passen und in die Auswertung aufgenommen werden.
  • Zusammenfassung: Die Ergebnisse der eingeschlossenen Arbeiten werden geordnet dargestellt und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede beschrieben.

Beispiel: Eine Übersichtsarbeit zur Behandlung von Knieschmerzen sucht systematisch nach passenden Studien, wählt sie nach festgelegten Kriterien aus und fasst deren Ergebnisse zusammen. Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.